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Presseartikel BZ

"Bei uns gibt es keinen Streit"

Schüler zweier Schulformen kommen an der IGS Wilhelm-Bracke in einer Kooperationsklasse zusammen

von Yvonne Buchwald

WESTSTADT.  Bleistifte kratzen eifrig über das Papier, konzentriert versinken die Nasenspitzen der Fünftklässler in den Mathebüchern. Kaum etwas wirkt anders hier - im Gegenteil: Vorbildlich ruhig sitzen die Schüler an Ihren Tischen. Doch wer genau hinschaut, erkennt, dass diese Klasse an der Wilhelm-Bracke-Gesamtschule eine ganz besondere ist: Einige Stühle sind erhöht, andere haben Räder, Gehhilfen lehnen an manchen Pulten. Die Klasse 5.7 ist die erste Kooperationsklasse zwischen Gesamt- und Förderschülern. Und sie läuft so erfolgreich, dass es bald eine zweite geben soll.

Zehn Schüler der IGS lernen hier gemeinsam mit sieben Schülern der Hans-Würtz-Schule, einer Förderschule mit dem Schwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung. Und das klappt einfach super, sind sich alle Beteiligten einig: „Wir sind sehr froh, dass wir diese Klasse im letzten Schuljahr eingeführt haben“, erklärt IGS-Schulleiter Franz Rollinger. „Wir sehen das als pädagogische Innovation.“ Marita Stewen, Leiterin der Hans-Würtz-Schule, fügt hinzu: „Alle waren sofort offen für die Idee und empfinden das gemeinsame Lernen als Bereicherung.“ Für Kinder mit körperlichen Beeinträchtigungen, mit sprachlichen oder Wahrnehmungsstörungen sei es nicht leicht, Anschluss in einer Regelschule zu finden, führt die Schulleiterin aus. „In der Kooperationsklasse haben alle die gleichen Perspektiven.“

Hier in der kleinen Gruppe von 17 Schülern sind eine individuelle Betreuung, selbstständiges Arbeiten und eine entspannte Atmosphäre möglich - das gefällt auch den Kindern. Fabian schnippst aufgeregt mit den Fingern: „Ich finde das toll hier, wir kommen total gut miteinander aus und machen viel Teamarbeit“, erzählt der elfjährige Gesamtschüler.

Timon (12) von der Hans-Würtz-Schule fügt hinzu: „Bei uns gibt es keinen Streit in der Gruppe, wir helfen uns immer gegenseitig.“ Der zehnjährige Nico und der zwölfjährige Melvin haben vor allem am spielerischen Lernen Spaß: „Die Lehrer sind total nett, und es ist immer lustig bei uns“, erzählen sie. Und Katharina (11) weiß die Vorteile schon ganz professionell zusammenzufassen: „Wir sind eine bunte Gruppe und dadurch werden wir offener. Wir wechseln uns zum Beispiel beim Rolli-Dienst ab und helfen den Kindern mit Rollstühlen an den Treppen.“

 Genau das sei es, was diese Klasse ausmache, sagen auch die Lehrer: „Durch das Miteinander entsteht eine Vertrautheit. Die Kinder der IGS lernen, sich mit Behinderungen auseinanderzusetzen, und die Förderschüler haben hier die grandiose Möglichkeit, das normale Leben kennenzulernen“, sagt Rita Grzonka von der Hans-Würz-Schule. Mit zwei Kollegen von der Wilhelm-Bracke-Gesamtschule unterrichtet sie abwechselnd, manchmal auch gemeinsam die Kooperationsklasse. Unterstützt werden die Lehrer von einer pädagogischen Mitarbeiterin. Sie ist immer dabei, geht durch die Reihen, hilft den Schülern, wenn es nötig ist.

Frontalunterricht gibt es in dieser Klasse kaum - Interaktion heißt hier die Losung: „Wir arbeiten viel nach Wochenplänen, die Schüler können sich die Arbeiten freier einteilen und wir können intensiver auf sie eingehen“, erklärt Grzonka. Auf Skepsis stoße man nicht: „Von der intellektuellen Leistungsfähigkeit her könnten sich die Förderschüler mittlerweile locker mit den anderen messen. Eltern und Kinder beider Schulformen sind sehr angetan von dem Projekt."

 

Braunschweiger Zeitung, Freitag, 11.6.2010

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