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So baut man eine Schule

Die 7.7 interviewte den Architekten Marco Rinke von der Nibelungen Wohnbau GmbH

BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG | SCHULZ-REPORTER |

 

Elisabeth Mrowetz: Was sind Ihre Aufgaben beim Bau unserer neuen Schule?

Ich bin von Seiten des Bauherrn, der Nibelungen Wohnbau GmbH, der betreuende Projektingenieur, das heißt mein Aufgabengebiet erstreckt sich von der Planung über die Durchführung bis hin zur Übergabe und anschließenden Bewirtschaftung des Schulgebäudes. In der Bauphase – also jetzt aktuell – bin ich auch auf der Baustelle als Bauleitung tätig. Die Projektsteuerung liegt federführend bei Hans-Dieter Ortgies, er ist Prokurist bei der Nibelungen Wohnbau.

7.7 interviewt Herrn RinkeAndré Pinke: Woher kam die Idee, einen Wettbewerb auszuschreiben?

Wenn man einen Schulneubau plant, muss man überlegen, woher man gute Ideen und Ansätze bekommt, eine Schule so zu gestalten, dass sie auch in den nächsten 30 Jahren gut funktioniert. Wir haben deshalb einen Architekten-Wettbewerb ausgelobt, das heißt wir haben über eine Vorauswahl entschieden und eine Entwurfsidee herausgegeben, für die 20 Beiträge von Architekten eingingen.

Ein Gremium, bestehend aus Vertretern der Stadt Braunschweig, der Nibelungen Wohnbau GmbH und der Wilhelm-Bracke-Gesamtschule, hat einen Entwurf als den besten gekürt, der jetzt ausgeführt wird.

Paul Hackenberg: Warum ging der Zuschlag an dieses Architektur-Büro?

Es gibt einen Kriterien-Katalog, das heißt die Architekten wissen im Vorfeld, auf was am meisten Wert gelegt wird. Es geht zum Beispiel darum, wie sich das Gebäude in die Umgebung einfügt, wie regenerative Energien oder technische Neuerungen einbezogen werden können und schließlich spielt auch die Frage der Wirtschaftlichkeit eine Rolle. Jeder Entwurf wird nach diesen Kriterien bewertet, eines erhält schließlich den Zuschlag.

Florian Benze: Lernt man im Studium, wie man eine Schule baut?

Das Architekturstudium ist sehr weit gefächert, es gibt viele Fachrichtungen – Entwurf, Städtebau, Baubetrieb –, die man studieren kann. Natürlich muss jeder Architekt entwerfen können, allerdings lernt man nicht unbedingt, wie man eine Schule baut. Man lernt, wie man unterschiedlichste Projekte durchführt, dabei steht am Anfang immer die Recherche: Wie sind andere Schulen gebaut? Was ist im speziellen Fall zu beachten? Welche rechtlichen Rahmenbedingungen bestehen? Dann muss man skizzieren und entwerfen. Ein Architekt muss sich in jede Aufgabe neu einfinden.

Michelle Weigl: Wie viele Mitarbeiter haben die neue Schule geplant?

In dem beauftragten Architektur-Büro arbeiten etwa zehn Personen, in unserer Abteilung bei der Nibelungen Wohnbau GmbH fünf Personen, die alle Architekten oder Bauingenieure sind.

Nico Mintken: Die neue Schule soll behindertengerecht gebaut werden, wie sehen die Erleichterungen aus?

Es werden Türen mit elektrischer Unterstützung, ein Personenaufzug, angepasste Türweiten, spezielle WC-Anlagen und Therapie-Räume eingeplant. Man kann alle Bereiche der Schule barrierefrei erreichen.

ComputerstudieVanessa Zibulla: Warum wird die Schule so aussehen, wie sie aussehen wird?

Das Aussehen eines Gebäudes ist abhängig davon, wo ich das Gebäude erstelle und welchen Nutzen das Gebäude haben soll. Man sollte dabei ein optimales Verhältnis zwischen der Fläche, die man haben will (in der Schule: Klassenräume, Fachräume, Lernräume wie die „Marktplätze“), und dem Volumen, das man haben sollte, erreichen. Deshalb ist der vorliegende Entwurf das Optimum, das auch noch aufgewertet wurde – insbesondere in energetischer Hinsicht. Eine Rolle spielt bei jedem Gebäude natürlich auch die Optik, deren Beurteilung aber – wie nicht nur jeder Architekt weiß – von der persönlichen Meinung abhängig ist.

Moritz Geppert: In unserer Schule hört man viel aus anderen Klassenräumen. Was wird für eine bessere Schallisolierung getan?

Es gibt zwei Arten von Schallschutz, die wir berücksichtigen müssen. Zunächst gibt es den internen Schallschutz: In der neuen Schule werden die Wände massiv ausgeführt und mit entsprechenden Oberflächen (zum Beispiel schallabsorbierenden Oberflächen) versehen, so dass sich der Schall nicht auf andere Räume überträgt. Die zweite Form des Schalls ist der nach außen dringende Schall, zum Beispiel Musik aus dem Unterricht. Dieser wird so gedämpft, dass die Nachbarn der umgebenden Wohnbebauung nicht beeinträchtigt werden. Außerdem gibt es spezielle Räume, in denen die Nachhallzeit (ein Messwert des Schallschutzes) extrem gering ist, damit beispielsweise Hörgeschädigte den Unterricht gut verfolgen können.

Katharina Schröder: Die neue Schule soll ein Passivhaus werden. Was heißt das?

Ein Passivhaus benötigt aufgrund seiner guten Wärmedämmung in der Regel keine klassische Gebäudeheizung und verfügt über eine naturgebundene Wärmequelle.

Wir können den Standard eines Passiv-Einfamilienhauses zwar nicht erreichen, denn dafür ist das Volumen zu groß, das Gebäude zu komplex, beispielsweise verliert man über die großen Glasflächen in der Fassade viel Energie, jedoch war es unser Bestreben, alle Bauteile hinsichtlich des Dämm-Maßes aufzuwerten: So werden die Fenster hochwertig ausgeführt, in den Wänden und auch unter dem Fundament eine Dämmung eingebracht, so dass das Haus komplett „eingepackt“ ist und wir einen hohen Dämmwert erreichen.

Julian Bosse: Wie war Ihre Schule in der Bauweise, als Sie zur Schule gingen?

Meine alte Schule ist Anfang der 1980er Jahre entstanden, ein massiver Funktionsbau ohne Schallschutz, mit harten Böden, ohne optische Integrität, einfach eine „Standard-Schule“, bestehend aus aneinandergereihten Klassenräumen und einem Schulhof.

In eurer neuen Schule werden mit den drei Schulhöfen (außen) und den „Marktplätzen“ (innen) mehr Freiflächen für gemeinsame Aktivitäten vorhanden sein. Das wird gut!

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